Pressemitteilung DW NDS II
Pressemitteilung vom 18. Februar 2010
Palliative Versorgung in diakonischen Pflegeeinrichtungen in Niedersachsen
Engagierter Einsatz für Schwerstkranke im Heim
Neun stationäre Alten- und Pflegeheime des Diakonischen Werk des Ev.luth. Landeskirche Hannovers e. V. präsentieren am 18.02.10 in Hannover ihre Ergebnisse aus dem 18monatigen Palliativprojekt. Anderthalb Jahre beschäftigten sich die 18 TeilnehmerInnen mit der Pflege, Versorgung und Begleitung von schwerstkranken und sterbenden Menschen und den Umgang mit Tod und Trauer in den Einrichtungen.
Bei der Umsetzung von Palliative Care geht es um die Einführung von Trauerritualen, die Überarbeitung von Pflegestandards, die Einbeziehung von Ehrenamtlichen Mitarbeitern, die Zusammenarbeit mit Hospizen, Schmerztherapeuten und ambulanten Diensten, den Umgang mit trauernden Bewohnern, Angehörigen und Mitarbeitern und die Verbreitung von Fachwissen über symptomlindernde Pflegemaßnahmen im gesamten Team. Im Mittelpunkt steht der Bewohner und seine Angehörigen mit dem Ziel die Lebensqualität der Betroffenen bis zum Tod zu erhalten.
Die Situation gerade in stationären Pflegeeinrichtungen hat sich binnen der letzten zehn Jahre erheblich verändert. Durch die immer älter werdenden Menschen, die schnellen Krankenhausentlassungen und den verbesserten Ausbau der ambulanten Pflege ziehen die erhöht Pflegebedürftigen immer später in die stationären Einrichtungen ein. Der Aufenthalt dauert oft nur wenige Tage bis Monate. Etwa die Hälfte der neu einziehenden Bewohner verstirbt binnen eines Jahres nach Einzug aufgrund ihrer staken, bereits mit ins Heim gebrachten Erkrankungen.
Die Pflegenden begleiten zunehmend schwerstkranke und sterbende Menschen, und sind häufig in Kontakt mit trauernden Angehörigen und Mitbewohnern. Es ist notwendig, dass Pflegende für diese Aufgaben gut vorbereitet sind um den Bewohnern, den Angehörigen und auch sich selber gerecht zu werden. Und zudem ist es wichtig, dass sich die Einrichtungen dahingehend verändern, dass Tod und Sterben kein Tabuthema mehr ist sondern einen Platz in der Einrichtung bekommt und der Umgang für alle Beteiligten definiert ist. Ein offener Umgang mit Sterben, Tod und Trauer erleichtert die Arbeit der Pflegenden, und auch für Angehörigen und Bewohner ist es wichtig, diese existentiellen Themen ansprechen zu können, die Pflegequalität von Schwerstkranken zu erleben sowie auch den würdevollen Umgang mit Verstorbenen zu gestalten.
Die neun teilnehmenden Einrichtungen haben in den vergangenen anderthalb Jahren Projektgruppen in den Einrichtungen zum Thema Palliativversorgung gebildet. Hier wurden Ziele entwickelt und Maßnahmen umgesetzt. Der interne Prozess wurde durch ein 5-tägiges Seminar zum Thema Projektmanagement und durch fünf Doppel-Coaching- und Impulstage begleitet und unterstützt. Am Abschluss- und Präsentationstag (18. Februar 2010) wurden von den Projektteilnehmern die einzelnen Maßnahmen aus ihrem Projekt vorgestellt. Sie präsentierten Ergebnisse zu folgenden Themen: Basale Stimmulation „Berühren und berührt werden“; Angehörigenarbeit im Hinblick auf palliative Versorgung; Vorstellung der Trauerecke in der Kurzzeitpflege; Trauerritual Abschiedstücher; Vorstellung des Gedenkgottesdienstes; palliative Arbeit mit dem Snoezelen-Wagen; Orte des Abschiednehmens sowie die Anwendung eines Abschiedskoffers.
Zum Beispiel wurde von einer Einrichtung die Gestaltung eines Trauergottesdienstes vorgestellt. Hierzu berichtete die Heimleitung über die Gedanken und Ideen der Einrichtungen und eine Angehörige, dessen Vater vor 1, 5 Jahren in der Einrichtung verstarb, erzählte wie die Einladung zum Gottesdienst, der Ablauf des Tages von ihr empfunden wurde. Die Einrichtung feiert ihren Gottesdienst zum Gedenken an verstorbene Bewohner nach Ostern (Gedanke an Auferstehung). Hierzu werden alle Angehörige, die im Vorjahr jemanden verloren haben, schriftlich eingeladen. Der Gottesdienst beginnt mit einem Ankommen mit Tee, Kaffee und Gebäck in der Einrichtung. In dem Gottesdienst werden neben Gebeten und Liedern ein besonderes Abschiedsritual angewandt: Die Namen der verstorbenen werden vorgelesen, nun haben die Angehörigen die Möglichkeit eine Kerze für die verstorbene Person zu entzünden und dazu wird ein Stein mit dem Namen dazugelegt. Nach dem Gottesdienst können die Angehörigen den Stein zur Erinnerung mitnehmen. Im Anschluss des Gottesdienstes finden weitere Begegnungen statt. Die Angehörige berichtet „Nach einem gewissen Abstand in die Einrichtung zu kommen, wieder dort zu sein, und dort in Gedanken an meinen Vater zusammen singen, beten, essen und trinken hat einfach gut getan.“
„Es ist wichtig, dass Trauernde nicht alleine gelassen werden und das sie nach dem Tod auf Menschen treffen, die sie unterstützen“ Das war Tenor von der Grußwortrednerin Gesine Meisner (MdEP). Sie berichtete über eigene familiäre Todesfälle und verdeutlichte dadurch wie wichtig ihr persönlich das Thema Palliative Care ist. Zudem lobte und wertschätzte sie das Engagement der vielen Einrichtungen für Ihre großartige Arbeit. Ein weiteres Grußwort wurde von Herrn Christian Sundermann (Präsident Diakonisches Werk der Ev-luth. Landeskirche Hannover) gehalten, er skizzierte in sein Grußwort die steigenden Herausforderungen der Altenhilfe auch unter Einbezug des wirtschaftlichen Druck. .
Für sieben Einrichtungen war der Abschluss- und Präsentationstag ein ganz besonderer Tag. Sie erhielten für Ihre besonders gute Arbeit das Zertifikat „Palliativkompetentes Pflegeheim“ überreicht.
Alle Teilnehmer und Gäste der Abschlussveranstaltung freuten sich sehr über einen guten und feierlichen Projektabschluss. Zwar ist die Begleitung des Projektes nun vorbei, allerdings wissen die Teilnehmer längst, dass sie weiterhin an der Umsetzung von Palliative Care in ihrer Einrichtung zu arbeiten haben.
Frank Pipenbrink, Referent im Diakonischen Werk der Evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannovers und Projektmitbegründer des Palliativprojektes der Diakonie Niedersachsen ist voll überzeugt „Die Begleitung schwerstkranker und sterbender Menschen sind fundamentale diakonische Aufgaben. Es ist wichtig, dass sich Einrichtungen auf dem Weg machen um sich in diesem Bereich weiterzuentwickeln.“
Kontakt:
MediAcion, Jochen Steurer, Hanssensweg 14, 22303 Hamburg, Tel.: (040) 99994658 www.mediacion.de
Kursleitung: Svenja Uhrig und Marion Schwermer: Erreichbar über MediAcion www.mediacion.de
Diakonisches Werk der Ev.-luth. Landeskirche Hannovers e.V.; Frank Pipenbrink, Ebhardtstr. 3 A, 30159 Hannover, Telefon: 0511 / 3604-204